Radfahren in Japan
Tipps zum Radfahren und zur Ausrüstung
Hier eine kleine Zusammenstellung von Informationen und kleinen Tipps zum Thema Radreisen in Japan. Einige Ratschläge beziehen sich direkt aufs Radfahren, andere sind sicher auch für Rucksackreisende oder Wanderer interessant.
Inhalt
Radfahren in Japan ** Geht das denn überhaupt? ** Strassenverhältnisse ** Tunnel ** Radfahren in Großstädten
Fahrrad und Ausrüstung ** Das Fahrrad ** Ersatzteile und Ersatzteilversorgung ** Taschen und Kleidung ** Sonstige Ausrüstung
Radfahren in Japan
Geht das denn überhaupt?
Bei Japan stellt man sich in unseren Breiten meist endlose Städte, Verkehrschaos, Betonwüsten und schiebende Menschenmassen vor. Und da soll man Fahrradfahren? Die Realität sieht jedoch, wie meistens, etwas anders aus. Sobald man den Stadtrand der Großstädte erreicht hat, befindet man sich oft in einsamster Natur. Fährt kleine, wenig befahrene Waldwege und Bergstrassen entlang und findet ein gut ausgebautes Radwegnetz vor.
Strassenverhältnisse
Neben größeren Strassen befindet sich meist ein Rad- oder zumindest Feldweg, der ein ungestörtes Radfahren ermöglicht. In manchen Gegenden sind die Radwege zwar etwas holprig. Dafür findet man anderswo wieder ein Radwegesystem deluxe, mit Rastplätzen, Toiletten und Campingplätzen im Abstand weniger Kilometer. Vor allem entlang von Küsten oder Flüssen.
Die Straßen selbst sind auf dem Land im Vergleich zu Deutschland eher schmal, so dass es manchmal eng werden kann. Doch japanische Autofahrer sind gegenüber Radfahrern sehr vorsichtig, über holen langsam und in weitem Bogen und können an besonders engen Stellen (z.B. Tunneln) auch einmal 10 Minuten hinter einem herzuckeln ohne auch nur einen Anschein von Ungeduld. Zudem sind auf Überlandstrecken oftmals nur Geschwindigkeiten von 60 km/h erlaubt (man stelle sich das in Deutschland vor), so dass für beide Seiten genügend Zeit bleibt, sich aufeinander einzustellen. Hilfreich ist es hier, einen kleinen Rückspiegel am Fahrrad zu haben. Die Hauptstrassen sind meist vom Oberflächenbelag gut ausgebaut, Nebenstrecken und kleine Bergstrassen können aber auch recht holprig, manchmal (aber eher selten) auch unasphaltiert sein.
Bergstrassen sind oft steil mit engen Kehren. Wer mit schnellen Abfahrten rechnet, sollte eher zurückhaltend kalkulieren. Die Kurven sind oft so eng und die Geraden so kurz, dass man mit Gepäck manchmal froh ist über 20 km/h zu fahren. Die Hand ist die meiste Zeit an der Bremse und nach einer Stunde ist man froh im Tal zu sein, da die Handgelenke und Unterarme schmerzen.
Tunnel
Was das Fahrradfahren oft anstrengend macht sind die Tunnel, die im bergigen Japan oft anzutreffen sind. Diese sind oft lang und weisen im Inneren noch Steigungen auf. Die neueren und größeren besitzen meist einen Randstreifen, der sich recht gut befahren lässt. Bei kleineren und älteren Tunneln ist das oft nicht der Fall. Dann heisst es vorsichtig sein. Obwohl die Tunnel meist gut ausgeleuchtet sind ist es ratsam eine funtionierende Fahrradbeleuchtung zu besitzen, damit man auch schon von weitem sichbar ist. Doch wie bereit beschrieben sind japanische Autofahrer recht geduldig und überholen nur, wenn auch wirklich genug Platz da ist. Eine Ausnahme bilden hier manchmal LKW-Fahrer.
Vor längeren Tunneln empfiehlt es sich eine kleine Pause zu machen, um nicht unterwegs schlapp zu machen. Wer keine Tunnel mag, hat an manchen Stellen die Möglichkeit auch die alten Passstrassen zu nutzen, die durch den Tunnel ersetzt wurden. Diese sind zwar oft anstrengend zu fahren und manchmal in mäßigem Zustand, aber landschaftlich oft reizvoll.
Radfahren in Großstädten
Das Radfahren in japanischen Großstädten läuft ruhiger und angenehmer ab als in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Es gibt oft Radwege oder die Strassen sind so breit, dass genug Platz für den Radler bleibt. Überholt wird auch hier meist vorsichtig und in großem Bogen. Oft läuft der Verkehr so gemächlich, dass man mit dem Rad schneller vorran kommt als mit dem Auto.
Was das Radfahren jedoch zur Herausforderung macht sind die Ausmaße der Städte. So kann man im Großraum Tokio schon mal 100 Kilometer durch urbanes Gebiet fahren. Bei der Streckenplanung sollte man beachten, dass man wesentlich langsamer Vorwärts kommt als auf dem Land. Die Abgase machen das Fahren längerer Strecken doch recht anstrengend, so dass man öfter ein Pause braucht.
Fahrrad und Ausrüstung
Das Fahrrad
Die Wahl des Fahrrades ist natürlich abhängig von der Route die man plant. Möchte man sich nicht nur auf einen Fluss oder die Küste beschränken empfiehlt sich jedoch ein stabiles Trekkingrad oder Reiserad, mit dem man auch mal ein Stück unbefestigte Strasse entlang fahren kann. Ein Mountainbike ist nicht unbedingt nötig. Wichtig ist vor allem eine gute Gangschaltung mit einem großen Übersetzungsbereich. Die Bergstrassen sind oft sehr eng und steil, so dass man hier Reserven haben sollte.
Fast noch wichtiger sind gute, leichtgängige Bremsen. Dieser werden auf den engen, steilen Abfahrten extrem belastet. Bei den Bremschuhen sollte man lieber hochwertige benutzen und auch immer ein (besser zwei) Ersatzpaare dabei haben. Meine waren nach 1 1/2 Wochen runtergefahren. Die Reifen sollten genug Profil haben, um auch auf nassen oder überfluteten Strassen halt zu geben. Regenfälle in Japan sind oft so heftig, dass die Strassen nach wenigen Minuten unter Wasser stehen.
Wer viel Gepäck transportiert sollte natürlich auf einen stabilen Rahmen achten, aber dies gilt natürlich auf allen Radreisen. Aufgrund der vielen Tunnel ist jedoch eine funktionierende Beleuchtung (vor allem hinten) von Bedeutung. Auch kann hier ein kleiner Rückspiegel helfen, den Abstand zu herannahenden Autos abzuschätzen, ohne umzudrehen zu müssen und dadurch ins schlenkern zu geraten.
Ersatzteile und Ersatzteilversorgung
Die Ersatzteilversorgung in Japan ist sehr gut, immerhin kommt mit Shimano einer der größten Fahrradteilehersteller aus Japan. Auch in vielen kleineren Ortschaften findet sich meist ein Fahrradladen, die sich am Shimano-Schild an der Tür identifizieren lassen. Standardteile sind meistens im Laden vorhanden und die Preise entsprechen in etwa denen in Deutschland. Exotischere Sachen, wie Ersatzteile für Scheibenbremsen, bekommt man auf dem Land nur schwer. Die Hauptkundschaft der Dorfläden ist meist schon älter, so dass man dort eher einfachere Alltagsräder (bei uns würde man vieleicht Hollandräder dazu sagen) mit viel zu niedrig eingestelltem Sattel findet. Das hippe High-Tech-Mountainbike ist dort eher die Ausnahme und wird eher in der Stadt verkauft. Bei der Zusammenstellung seiner Fahrradkomponenten sollte man also eher auf bewährte Standardkomponenten setzen, statt nur das neueste zu benutzen.
Zudem ist die einfachere Technik im Pannenfall problemloser zu reparieren. Als Ersatzteil- und Reparaturset würde ich folgende Zusammenstellung empfehlen:
- Kettenöl (wichtig nach den häufig starken Regenfällen in Japan)
- Flickzeug
- 1 Ersatzschlauch + 1 Ersatzventil
- Flickzeug
- Luftpumpe
- Mantelflicken (z.B. von ParkTool)
- Ersatzbaudenzüge (je 1 für Bremse und Schaltung)
- Leatherman + Fahrrad-"Supertool" wie das Topeak Alien (damit kann man fast jede Reparatur ausser den Steuersatz und Pedale erschlagen)
- Pedalschlüssel (für den Flugzeugtransport)
- Steuersatzschlüssel (es gibt von Parktool einen recht kompakten Steuersatz/Pedalschlüssel)
- 2 Bremsschuhpaare (der Verschleiss in den Bergen ist enorm)
- je 3 Speichen für jede Größe (für den, der es selbst kann)
- Gewebe-Tape
- etwas Kabelbinder
- 2 unterschiedlich große Schlauchschellen
- ein paar Muttern und Schrauben
- ein paar Kettenglieder (nur wenn man auch einen Kettennieter hat)
- ein alter Lappen
Mit dieser Ausstattung kann man schon eine Menge am Fahrrad wieder heil bekommen. Manch einem wird die schon zu viel sein, anderer wieder mehr mitnehmen.
Taschen und Kleidung
Bei den Fahrradtaschen gibt es vor allem ein Kriterium. {b:Wasserdicht} müssen sie sein. Am Besten nicht nur ein Überzug, sondern verschweisste Nähte und 100% wasserdichter Stoff, wie die Ortliebtaschen. Ich hatte mehrmals den Fall, dass die Strasse 20 bis 30 cm unter Wasser stand und man da irgendwie durch musste. Um all meine Taschen während des Fluges zu verstauen, hatte ich einen wasserdichten See/Kajak-Sack dabei, in den alle Taschen reingepasst haben und der unterwegs auch als praktische Unterlage bei Pausen gedient hat.
Bei der Kleidung ist es eine Frage der Jahreszeit. Im Herbst und Winter sind sicher warme Sachen von nöten. Ich war im Sommer unterwegs und ein dünner Fleecepullover hat selbst in 2000 m Höher noch genügt. Gute Regensachen sollte man auch dabei haben, wobei ich im Sommer manchmal mit Badehose (Shorts) und T-Shirt durch den Regen gefahren bin, da man bei 30 °C auch in einer Regenjacke nass wird. Teva-Sandalen für Regenfahrten und ein paar leichte Sportschuhe für normales und sonniges Wetter. Ansonsten empfehle ich leichte, luftige und schnell trocknenden Kleidung. Ein langärmliges Hemd, Sonnenhut und Sonnenbrille erleichtern das fahren in schwüler Hitze.
Japaner haben immer kleine Stoffhandtücher dabei. Diese sind auch für Radfahrer sehr praktisch. Man kann sie nass machen und dann zur Kühlung auf Arme, Nacken und Kopf legen.
sonstige Ausrüstung
Wer sein Zelt mitnehmen möchte sollte hier wieder darauf achten, dass man auch langanhaltenden, starken Regen darin trocken überstehen kann. Die Bodenwanne sollte etwas hochgezogen sein. Andererseits sollte es gute Belüftungsmöglichkeiten aufweisen, um einerseits schnell wieder zu trocknen und andererseits bei Wärme nicht unerträglich schwül im Inneren zu werden.
Beim Kochzeug hat man relativ viele Möglichkeiten. Bei Gaskartuschen bekommt man am einfachsten die Coleman-Kartuschen, die auch z.B bei Primus und dem japanischen Hersteller SnowPeak zum Einsatz kommen. Auch Spiritus bekommt man relativ problemlos. Ich habe auf der Japantour einen Benzinkocher verwendet, was von der Treibstoffversorgung das einfachste ist, dafür aber manchmal schwarze Finger verursacht.
In Japan kann man jedoch auch getrost ganz auf sein Kochzeug verzichten. An jeder Ecke und zu jeder Tages- und Nachtzeit bekommt man günstig etwas warmes oder kaltes zu Essen. Wer also in einigermassen bewohnten Gegenden bleibt, braucht sich um ein warmes Mahl keine Gedanken machen. Nur in einsamen Bergregionen hat die eigene Küche ihre Notwendigkeit.
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