Nach Aizu Wakamatsu

(Teil 7)

Das Wetter hat sich gebessert, so dass meine Sachen langsam wieder trocken werden. Es geht aus den Bergen heraus in die Ebene von Aizu Wakamatsu.


Nach Aizu Wakamatsu

Als ich im Morgen aufwache hat sich der Regen verzogen und nur ein paar Wolkenfetzen hängen noch in den Bergen. Die Erde und Luft sind jedoch noch von Feuchtigkeit gefüllt. Gleich am Morgen gibt es noch einen kleinen Pass zu erklimmen, der jedoch im Vergleich zu den letzen Tagen recht angenehm auffällt. Relativ gemächlich geht es bergauf. Die Abfahrt auf der anderen Seite ist die erste auf meiner Reise, die diesen Namen auch verdient. Ich kann mich einfach rollen lassen, der Fahrtwind kühlt angenehm. Langsam schiebt sich auch die Sonne über die Berge und trocknet die nasse Strasse.

Wasserfall am Straßenrand

Fast im Tal angekommen, erreiche ich eine recht große Touriststation mit Restaurant, Souvenierladen, Informationen und kleinem Supermarkt. Da meine Geldvorräte fast erschöpft sind, möchte ich diese an einem Geldautomaten wieder auffrischen. Leider muss ich feststellen, dass ausländische Karten hier nicht funktionieren. Diese werden nur bei Citibank- und Postbank-Automaten in größeren Städten angenommen. Der nächste Automat ist in Aizu Wakamatsu, welches etwa 60 km entfernt liegt. Ich habe noch etwa 800 Yen (etwa 6 Euro) in meiner Geldtasche. Ich muss also den Rest des Tages etwas sparsam sein.

Auf der Straße nach Aizu hat sich die Landschaft im Vergleich zu den letzten Tagen noch einmal vollständig geändert. Ein breites, sanftes Flußtal umgeben von Bergen und ein paar Vulkankegeln am Horizont. Die Hitze ist heute weniger schlimm als in den letzten Tagen, die Luft zwar feucht, aber nicht schwül. Das Fahrrad rollt wie von alleine. Nur etwa 20 km vor Aizu Wakamazu wird die Landschaft für eine kurze Zeit wieder schroffer. Mehrere Tunnel mit relati viel Verkehr sind zu durchqueren. Kurz vor Aizu öffnet sich die Landschaft jedoch wieder zu einer weiten, von hohen Bergen umgebenen, Ebene. Reisfelder dominieren das Bild. Der erste Weg in der Stadt führt zu einem Geldautomaten. Diesmal bin ich bei der Auszahlung etwas großzügiger, um nicht wieder ohne Geld in der Landschaft zu stehen.

Burg von Aizu Wakamatsu

Aizu Wakamatsu selbst ist eine recht nette Stadt. Es gibt einen Park mit einer großen Burg, die wieder originalgetreu aufgebaut wurde. In der Touristinformation der Burg gibt es einen Computer mit Internetanschluß, von wo ich meine Mails kontrollieren kann. Draußen im Park mache ich unter ein paar Bäumen eine ausgiebige Pause, esse Eis und trinke Tee. Dann döse ich auf eine Bank ein. Als ich wieder aufwache ist es schon später nachmittag. In der Information frage ich, ob es in der Stadt einen Campingplatz gibt. Der nächte von der Stadt aus war etwa 15 km entfernt am Inawashiro-See. Dorthin geht es jedoch stetig bergauf, so dass ich noch untentschlossen bin.

Campingplatz

Etwa 5 km ausserhalb der Stadt fahre ich an der Tempelanlage von Aizu Mura vorbei. Dort strahlt eine beeindruckende, etwa 57 m hoher Statue in der roten Abendsonne. Die Anlage ist leider schon geschlossen, so dass man auf das Gelände selbst nicht mehr kommt. Vor dem Tempel gilt es sich auch zu entscheiden. Weiter der Hauptstraße nach Westen zu den Campingplätzen folgen oder auf eine kleine Seitenstraße abbiegen, welche weiter in Richtung Norden führt. Außerdem beginnt die Sonne gerade unterzugehen. Ich biege kurzentschlossen ab und sehe etwa 500 m nach der Kreuzung eine Sportanlage. In einem Wohnhaus neben dem Sportplatz schickt man mich auf eine kleine Wiese neben der Anlage, wo es auch eine Toilette gibt. Ich koche mir einen großen Topf Spagetthi mit Tomatensoße und genieße von einem kleinen Wall den Ausblick auf die Ebene vor mir, die langsam in der Dunkelheit versinkt. Mit meinem obligatorischen Abendtee lasse ich diesen zwar nicht besonders ereignisreichen aber doch sehr angenehmen Tag ausklingen.

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